Mit Mentalisierung ist die Fähigkeit gemeint, hinter dem eigenen und dem Verhalten anderer die zugrunde liegenden Gefühle, Gedanken und Beweggründe erkennen und verstehen zu können. Diese Fähigkeit entwickelt sich im Kontext von Bindungserfahrungen: Frühe Beziehungserfahrungen bahnen die Entwicklung von Affektregulation, Selbstwahrnehmung und interpersonellem Verstehen. Störungen der Bindungsorganisation, Traumatisierungen oder lang andauernde psychosoziale Belastungen können die Mentalisierungsfähigkeit beeinträchtigen. Defizite in der Affekt- und Selbstregulation, sowie in der Beziehungsfähigkeit können die Folge sein und zur Entwicklung psychischer Störungen beitragen. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum die Förderung der Mentalisierungsfähigkeit heute als ein zentraler Wirkmechanismus psychotherapeutischer Veränderung betrachtet wird. Der Vortrag stellt aktuelle wissenschaftliche und klinische Erkenntnisse zur Verbindung von Bindung und Mentalisierung vor und diskutiert deren Bedeutung für die psychotherapeutische Praxis. Anhand klinischer Fallbeispiele wird aufgezeigt, wie sich Mentalisierungseinbrüche im therapeutischen Prozess erkennen lassen und wie dieser zum Entwicklungsraum für Mentalisierung gestaltet werden kann. Dabei geht es nicht um rein sozial-kognitives Nachdenken, sondern vielmehr um das Erfassenkönnen leiblich-affektiver Bezogenheit im Hier-und-Jetzt. Im Mittelpunkt stehen dabei Dimensionen wie Resonanz, Erfahrung, Atmosphäre, Stimmungen und Gefühle.
Vortragende: Dr. Petra Schuhler
Bitte melden Sie sich per Mail an veranstaltungen@ptk-saar.de an; die Anzahl der Plätze für Teilnehmende ist begrenzt. Die Veranstaltung ist mit zwei Fortbildungspunkten akkreditiert.
Literatur
Fonagy, P., Gergely, G., Jurist, E. & Target, M. (2008). Affektregulierung, Mentalisierung und die Entwicklung des Selbst. Stuttgart: Klett-Cotta.
Kern, E. & Schuhler, P. (2026) Supervision in der Praxis. Weinheim: Beltz


