Das Post-COVID-Syndrom (PCS) ist eine Multisystemerkrankung, die eine interdisziplinäre Behandlung erfordert. Etwa 5 – 10% der Infizierten sind von einem klinisch relevanten PCS betroffen. Ausgangspunkt ist eine Reaktion des Körpers auf die Infektion mit dem COVID-19-Virus. Somit zählt es ähnlich wie das Chronic Fatigue-Syndrom zu den Virusfolgeerkrankungen. Dem PCS liegt ein komplexes multifaktorielles Modell der Krankheitsgenese und -aufrechterhaltung zugrunde. Die wahrscheinlichsten somatischen Hypothesen umfassen chronische Entzündung, Autoimmunität, Viruspersistenz, endotheliale Dysfunktion und eine Schädigung von Mitochondrien. Psychosoziale Faktoren bestimmen aber ebenfalls das Risiko, ein Post COVID-Syndrom zu entwickeln und sie haben bei vielen Betroffenen auch einen relevanten Einfluss auf die Chronifizierung, die Symptomausprägung und die Lebensqualität. Hier ergeben sich Ansatzpunkte für eine psychotherapeutische Mitbehandlung.
Während es bisher noch keine wirksame medikamentöse Behandlungsmöglichkeit gibt, ist der Effekt von kognitiver Verhaltenstherapie, Bewegungstherapie und Rehabilitation auf Fatigue, Depressivität, Funktionsniveau und Lebensqualität gut belegt. Im Seminar sollen ein bio-psycho-soziales Krankheitskonzept erarbeitet und Behandlungsstrategien erarbeitet werden, wie z. B.
- Förderung von Krankheitsakzeptanz (ACT)
- Anpassung des therapeutischen Settings an die Möglichkeiten der Betroffenen
- Ressourcenorientiertes Planen von Aktivitäten und Erkennen und Respektieren der eigenen Grenzen (Pacing)
- Verändern von dysfunktionalen Vermeidungs- oder Durchhaltemustern (Avoidance/Endurance-Konzept)
- Behandlung einer komorbiden Angststörung oder Depression
- Erwartungsmanagement
Wichtig ist es auch, Post Exertionelle Malaise (PEM) zu erkennen und in die Behandlungsplanung einzubeziehen.
Psychotherapie kann PCS nicht heilen, kann im Rahmen eines multiprofessionellen Settings aber einen wichtigen Beitrag zu Symptomreduktion, -management und Verbesserung der Lebensqualität leisten.
Dr. rer. med. Alexa A. Kupferschmitt ist leitende Psychotherapeutin am Rehazentrum Seehof der Deutschen Rentenversicherung Bund in Teltow bei Berlin. Prof. Dr. med. Volker Köllner ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und ist dort Ärztlicher Direktor. Beide haben im Rehazentrum Seehof ein Rehabilitationskonzept für PCS-Betroffene entwickelt und evaluiert, das seit 2021 angeboten wird. Beide gehören zur Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation an der Charité und forschen zum PCS, Psychokardiologie und Psychischen Störungen und Arbeitswelt.
Die Veranstaltung wurde von der PKS mit 2 Fortbildungspunkten akkreditiert.


