Woche der seelischen Gesundheit
Saarbrücken, 10.10.2026
Miteinander statt nebeneinander – für eine Gesellschaft, in der jede Psyche zählt
Die Psychotherapeutenkammer des Saarlandes zur Woche der Seelischen Gesundheit
Vom 10. bis 20. Oktober 2026 findet bundesweit die „Woche der Seelischen Gesundheit“ statt. Veranstaltet wird die Aktionswoche vom Aktionsbündnis Seelische Gesundheit, das in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen begeht. Unter dem Motto „Miteinander statt nebeneinander – für eine Gesellschaft, in der jede Psyche zählt“ widmet sich die diesjährige Aktionswoche der Bedeutung seelischer Gesundheit und eines solidarischen Miteinanders. Die Psychotherapeutenkammer des Saarlandes (PKS) lenkt den Blick auf eine Erfahrung, die viele Betroffene teilen: Zur eigentlichen Erkrankung kommt oft eine zweite Belastung hinzu, nämlich die Ausgrenzung durch das Umfeld.
Rund 80 Prozent der Menschen mit einer psychischen Erkrankung berichten, im Zusammenhang damit Stigmatisierung erlebt zu haben. Fachleute sprechen deshalb von einer „zweiten Krankheit”: Auf die eigentliche Erkrankung folgt die Erfahrung, anders behandelt, gemieden oder nicht mehr ernst genommen zu werden. Genau hier setzt das diesjährige Motto an, denn Ausgrenzung ist kein Randphänomen, sondern eine Erfahrung, die einen Großteil der Betroffenen trifft.
Wie groß die Gruppe der Betroffenen tatsächlich ist, zeigt ein zweiter Blick auf die Zahlen: Rund 18 Millionen Erwachsene in Deutschland, statistisch jede vierte Person, erfüllen jährlich die Kriterien einer psychischen Erkrankung. „Jede Psyche zählt” ist damit wörtlich zu nehmen: Es geht nicht um eine kleine Randgruppe, sondern um einen Teil der Gesellschaft, der jedem von uns im privaten oder beruflichen Umfeld begegnet.
Trotzdem nehmen nur 18,9 Prozent pro Jahr überhaupt Kontakt zu einem Leistungsanbieter auf.
Im Saarland zeigt sich die aktuelle Versorgungslücke besonders deutlich und paradox: Nach der bundesweiten Bedarfsplanung, die seit 1999 nicht grundlegend angepasst wurde, gilt die psychotherapeutische Versorgung im Land formal als überversorgt. In der Praxis warten Patient*innen dennoch häufig monatelang auf einen Therapieplatz, besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. Die PKS fordert deshalb seit langem eine bedarfsgerechte Reform der Planung.
Dass „jede Psyche zählt“ dabei wörtlich gemeint sein muss, zeigt auch eine aktuelle Auswertung der deutschen Langzeitstudie zum Stigma psychischer Krankheiten (Schomerus, Spahlholz & Speerforck, 2023). Während das gesellschaftliche Verständnis für einige psychische Erkrankungen in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen ist, bestehen gegenüber anderen weiterhin starke Vorbehalte. Entstigmatisierungsbemühungen müssen daher psychische Erkrankungen in ihrer gesamten Bandbreite berücksichtigen und gezielt jene Krankheitsbilder einbeziehen, die weiterhin besonders stark stigmatisiert werden. Miteinander muss gerade dort ansetzen, wo Verständnis heute noch am schwersten fällt.
„Wer psychisch erkrankt, steht oft vor einer doppelten Herausforderung, nämlich der Erkrankung selbst und den Vorurteilen, Unsicherheiten oder Reaktionen des Umfelds. Als Kammer ist es uns wichtig, auch diese oft unterschätzte Belastung sichtbar zu machen.“ (Vorstand der Psychotherapeutenkammer des Saarlandes)
Die PKS nutzt die Aktionswoche, um für einen offenen, enttabuisierten Umgang mit psychischer Gesundheit zu werben und auf bestehende Unterstützungsangebote im Saarland hinzuweisen. Bereits zur vergangenen Aktionswoche hatte die Kammer mit einem Resilienz-Leitfaden ein niedrigschwelliges Angebot zur Stärkung der individuellen psychischen Widerstandskraft veröffentlicht. In diesem Jahr rückt die PKS, passend zum bundesweiten Motto, den Blick vom Einzelnen auf das Miteinander. Mit einem Leitfaden für „Umgang mit psychisch Erkrankten im Umfeld“ stellt die PKS konkrete Hinweise für den Umgang mit Betroffenen im sozialen Umfeld sowie speziell für Angehörige bereit. Dieser beinhaltet den Umgang m it ersten Anzeichen, hilfreiche Gesprächsformulierungen und Anlaufstellen im Saarland. Der Leitfaden steht Ihnen hier zur Verfügung.
Dass ein offenes Miteinander etwas bewirken kann, zeigt eine aktuelle Befragung: 57 Prozent der Erwerbstätigen geben an, dass sich die Beziehung zu Kolleginnen und Kollegen positiv auf ihr emotionales Wohlbefinden auswirkt. Zugehörigkeit ist damit kein weiches Zusatzthema, sondern ein messbarer Schutzfaktor.
Informationen für Betroffene und Angehörige:
- Die Telefonseelsorge ist unter 0800 1110 111 oder 0800 1110 222 erreichbar und bietet telefonische Beratung und Unterstützung in psychischen Krisen an. Wer persönliche Beratung in Saarbrücken bei der Telefonseelsorge Saar vor Ort sucht, kann sich unter 0681 9686922
- „Die Nummer gegen Kummer“: Das Kinder- und Jugendtelefon ist von Montag bis Samstag, von 14-20 Uhr anonym und kostenlos vom Handy oder Festnetz unter 116 111 und 0800 111 0333
- Ratsuchende finden auf der Internetseite der Psychotherapeutenkammer des Saarlandes hilfreiche Informationen.
- Auch die Stadt Saarbrücken informiert zum Thema Mentale Gesundheit. Hier finden Sie Rat und Hilfe bei psychischen Problemen. Außerdem sind auf der Internetplattform Jugendserver-Saar weitere wichtige Hilfsangebote zu finden.
- Bei akuter Gefahr oder in Notfällen (z. B. drängende Suizidgedanken, Selbst- oder Fremdgefährdung) rufen Sie den Notruf 112 oder die Polizei 110 an!
- Die Terminservicestelle vermittelt unter 116 117 Erstgespräche mit Psychotherapeuten und Ärzten
- Der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) ist eine bundesweite Selbsthilfeorganisation für Angehörige von psychisch kranken Menschen. Hier können Angehörige regionale Selbsthilfegruppen finden und Beratung erhalten.
Quellen:
https://www.axa.de/presse/axa-mental-health-report-2024-fokus-arbeit
Schomerus, G., Spahlholz, J., & Speerforck, S. (2023). Die Einstellung der deutschen Bevölkerung zu psychischen Störungen. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 66(4), 416–422. https://doi.org/10.1007/s00103-023-03679-3
